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Lahmheiten digital erkennen: Equinosis Lameness Locator

16.12.2020

Objektive Lahmheitsuntersuchungen durchein modernes, digitales Sensorsystem

Das Erkennen von Lahmheiten gehört zur Routine der meisten Pferdekliniken und -praxen. Dabei ist eine durchdachte und reproduzierbare Herangehensweise wichtig im Hinblick auf den späteren Therapieerfolg. Seit 2019 bietet der Equinosis Lameness Locator in der Pferdeklinik Bockhorn die Möglichkeit, Lahmheiten zu messen. Denn der “Lameness Locator” schafft, was das menschliche Auge so nicht vermag: die detaillierte Erfassung einer Lahmheit in genauen Werten.

Wie erkennt man Lahmheiten richtig?

Grundsätzlich gibt es zwei Methoden, um die Bewegung eines Pferdes zu analysieren und eine mögliche Lahmheit zu erkennen. Das sind zum einen das geschulte menschliche Auge und zum anderen jeglicher Einsatz von technischen Hilfsmitteln. Erfahrung und Beobachtungsgabe sind hilfreich für den untersuchenden Tierarzt. Auf das Ergebnis einer Lahmheitsuntersuchung einfließende Erwartungshaltungen oder vorgefasste Meinungen sind dagegen kontraproduktiv.

Wissenschaftliche Studien kommen hier zu interessanten Ergebnissen. Betrachtet man beispielsweise ein Pferd auf gerader Linie im Trab, stimmten KlinikerInnen zu 76,6% überein, ob das Tier lahmte oder nicht. Im Allgemeinen wuchs die Übereinstimmung mit dem Schweregrad der Lahmheit an, wobei sie zusätzlich bei Vorderextremitäten höher war als bei Hinterextremitäten. Bei multiplen Lahmheiten (Lahmheit an mehr als einer Gliedmaße) sank die Übereinstimmung auf 51,6%, sobald das am schlimmsten betroffenen Bein benannt werden sollte. Die subjektive Wahrnehmung scheint also bei bestimmten Lahmheiten nicht vertrauenswürdig zu sein. Dazu zählen insbesondere Lahmheiten an mehr als nur einer Gliedmaße, Lahmheiten an einer Gliedmaße mit mehr als nur einer Lahmheitsursache, die Unterscheidung von Lahmheit und natürlicher Imbalance des Pferdes und der Einfluss von Reiter und Ausrüstung auf den Bewegungsablauf des Pferdes.

Um nun aber eine höhere Übereinstimmungsrate zu erhalten können technische Hilfsmittel wie beispielsweise Beschleunigungssensoren eingesetzt werden. Allerdings sollten diese ausschließlich im Zusammenhang mit der klinischen Untersuchung von TierärztenInnen ihre Anwendung finden. Die Geräte stellen eine High-Tech-Unterstützung der tierärztlichen Lahmheitsdiagnostik dar. Die Anwendung ist nicht invasiv und somit für das Pferd unmerklich. Wissenschaftlich wurde gezeigt, dass Sensoren vor allem beim Identifizieren von geringgradigen/milden Lahmheiten gut und sogar in 58,33% der Fälle besser als die Tierärzte selbst waren.

Beschleunigungssensor als Hilfsmittel?

Der Lameness Locator° von Equinosis ist eines dieser Hilfsmittel zu Objektivierung der Lahmheitsdiagnostik. Er ist zehnmal so aussagekräftig wie das menschliche Auge und kann Asymmetrien des Gangbildes im Millimeterbereich erkennen. Somit werden Bewegungen und ihre Abweichungen in einem Bereich gemessen, den das menschliche Auge nicht erfassen kann. Der Lameness Locator° ist ein tiermedizinisch-wissenschaftlich und mathematisch-statistisch ausgereiftes System. Die Verbindung zu den drei am Pferd befindlichen kleinen Sensoren (Kopf, Becken, rechter Vorderfuß) erfolgt kabellos. Das System kann zu initialen Lahmheitsevaluierung und nach jeder durchgeführten Leitungs- oder Gelenksanästhesie verwendet werden. Die Ergebnisse können in jeder Form vergleichend dargestellt werden.

Gerade die Speicherung einzelner Untersuchungsergebnisse und ihr computergestützter Vergleich ermöglichen eine wesentlich objektivere Betrachtung der Lahmheitsdiagnostik und die objektive Darstellung therapeutischer Ergebnisse.

Ergänzt werden kann der Lameness Locator° durch einen vierten Sensor, das sogenannte „Reitermodul“. Dieses ermöglicht, gemeinsam mit den Pferdesensoren die Interaktion zwischen Reiter und Pferd zu betrachten. Bekanntermaßen können nicht ausreichende reiterliche Kompetenz oder mangelhafter Sitz zu Störungen im Bewegungsablauf des Pferdes führen.

Das System kann dadurch in bestimmten Fällen nachvollziehbar den Fokus vom Pferd auf den Reiter lenken und erleichtert dann die Besprechung der Kausalität des Reiters als mögliche Ursache für Bewegungsstörungen des Pferdes.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass der Lameness Locator°– auch nach unserer Erfahrung – eindeutig ein aussagekräftiges Hilfsmittel ist, vor allem wenn es um die Früherkennung oder die Detektion von sehr milden Lahmheiten geht. Gleichzeitig ist das System sehr gut geeignet einen Rehabilitationsfortschritt des behandelten Pferdes zu dokumentieren. Es sollte aber nicht vergessen werden, dass immer das Pferd als Ganzes betrachtet werden muss, um die gelieferten Ergebnisse auch richtig interpretieren und in einen sinnvollen Zusammenhang mit dem klinischen Bild bringen zu können. Deswegen bleibt die klinische Diagnostik durch den Tierarzt die Grundlage jeder Lahmheitsuntersuchung.

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